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10. März 2026

Es war einmal ein alter Schrank, um genau zu sein ein sehr alter Schrank. Ursprünglich stand er im alten Gasthaus Linde auf dem Sulgen bis dieses aufgegeben wurde und der damalige Gemeinderat von Schramberg 1956 beschloss das barocke Prachtstück als eines der ersten Sammlungsobjekte für ein zukünftiges Stadtmuseum für 700DM anzukaufen. Vermutlich wurde der Schrank dann auf dem Dachboden des Rathauses aufbewahrt bis man 1984 das Stadtmuseum im ehemaligen Schloss der Grafen von Bissingen und Nippenburg einrichtete. Da der alte Schrank in den 1980ern schon ein paar Jahre auf dem Buckel hatte – vermutlich um die 250 Jahre – war er wohl nicht mehr ganz so ansehnlich und man verbrachte ihn zunächst einmal in den Keller des Schlosses, um sich später um ihn zu kümmern. Wie das manchmal so ist mit Dingen, die man nicht ständig sieht. Sie geraten in Vergessenheit. So erging es auch dem alten Schrank.
Keller haben leider die schlechte Angewohnheit kalt und feucht zu sein, so dass dem alten Schrank die Bedingungen dort nicht nur einen ansehnlichen Schimmelpelz, sondern auch noch die Besiedelung durch Holzwürmer einbrachte. Ganze Generationen der kleinen Parasiten fühlten sich im massiven Tannenholz pudelwohl. Da sich das Holz durch die Feuchtigkeit auch noch zusätzlich verzogen hatte, fielen nach und nach die schönen Intarsien-Arbeiten aus ihren Halterungen. Ein wahrlich trauriger Anblick also, als das Museumsteam den Schrank 2020 in einer Ecke des Kellers wiederentdeckte. 2020 war ja ein schwieriges Jahr für alle, auch für die Kultureinrichtungen wie das Stadtmuseum. Dennoch war es auch ein Jahr das die Chance bot, in privaten sowie in öffentlichen Gebäuden auch mal hinter den Kulissen auszumisten, aufzuräumen und eben auch längst vergessene Schätze wiederzuentdecken.
Frischzellenkur für den Barocken Schrank
Durch den Befall mit Schädlingen und Schimmelsporen musste der Schrank zunächst einmal in Quarantäne, damit er die anderen Objekte in der städtischen Sammlung nicht „ansteckte“ und kam dann nach Bodelshausen, in der Nähe von Tübingen, wo der Restaurator Robert Landenberger ihn durch Ozon thermisch reinigte. Damit waren die Mittel des Stadtmuseum zunächst erschöpft, der Schrank durfte aber nun im beheizten Sammlungsdepot stehen.
Ein Jahr später ging es dann an die restauratorische Aufbereitung, die sehr aufwendig war, nicht zuletzt durch die puzzleartige Rekonstruktion der Intarsien, die Diplom Restauratorin Elisabeth Volkmer für das Stadtmuseum übernahm.
Ende des Jahres 2025 dann fertigte der Schreinermeister Klaus Kuhner die fehlende Rückwand und einen schlichten Sockel für den Schrank an, damit er endlich wieder stabil aufgebaut werden konnte.
Jetzt steht der alte Schrank in neuer Pracht im Schloss, wo er stilistisch gesehen nicht ganz hingehört. Das klassizistische Schloss stammt von 1841, der Barocke Schrank ist zwischen 1690 -1750 entstanden und war ursprünglich eher in einem Bürgerhaus zu finden, als in einem Schloss. Als historisches Zeugnis der Stadtgeschichte ist der Schrank nun aber genau da wo er hingehört: Im Stadtmuseum Schramberg.
Was hat er wohl einst beherbergt? Das lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, von textiler Aussteuer über Kleidung und Wertgegenstände ist alles möglich, selbst als geräumiges Versteck für einen Liebhaber, wie unser Museumsmitarbeiter Cezar Bucureasa feststellte, würde er sich eignen.
Der stattliche Schrank mit seinen schönen Mustern und für die Zeit typischen Jagdszenen, kann Dienstag bis Samstag von 13-17 Uhr sowie sonn- und feiertags von 11-17 Uhr im Stadtmuseum, Bahnhofstraße 1 in Schramberg besucht und bestaunt werden.